Donnerstag, 20. März 2014

Werthers Gedächtnis: Eine Art Q & A

Mich sprechen immer mehr Leute auf "Werthers Gedächtnis" an, was auch daran liegt, dass sich die Sache in der Familienforscher-Szene immer weiter herumspricht und viele auch durch meinen Blog darauf aufmerksam geworden sind. Die häufigste Reaktion, die ich bekomme, ist:

"Cool. Aber Du hast einen Knall." 

Ganz ehrlich: Das sehe ich genauso. Während Dortmund gestern Abend gegen St. Petersburg verlor, saß ich im Wohnzimmer im Schneidersitz auf dem Sofa und tippte. Und tippte. Und tippte.

Im Moment bin ich dabei, den Buchstaben "S" zu überarbeiten bzw. meine handschriftlichen Änderungen in die digitale Form zu bringen. Der nächste Schritt wird dann sein, dass ich noch ein paar Fotos einscanne und bei den entsprechenden Familien unterbringe, und dann werde ich die ganze Sache mal wieder ausdrucken, damit meine neuen Änderungen wieder Platz haben. Der Kreislauf des Familienforschers.

Warum eigentlich? 


Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

Irgendwann war meine Forschung in Werther soweit gediehen, dass ich dachte: "Über zig Ecken bist Du sowieso mit halb Werther verwandt. Da kann ich dann auch gleich den Rest noch mit machen." 

Gedacht und angefangen. Und bis heute nicht wieder aufgehört. Und ja, es wird noch Jahre dauern. Im Grunde hoffe ich wahrscheinlich, dass ich nie damit aufhören muss, weil ich immer noch neues Material finde. Die Vorstellung, irgendwann "fertig" zu sein, lässt mich jetzt schon gedanklich in ein tiefes schwarzes Loch fallen...

Ich liebe die alten Fotos von "damals". Ich finde auch, dass Werther durch manche bauliche Maßnahme nicht zwingend schöner geworden ist. Aber jedes Mal, wenn ich Fotos von alten Häusern sehe, frage ich mich: Wer hat dort gewohnt? Welche Geschichten stecken dahinter?

Je weiter ich komme, desto mehr Verflechtungen tauchen auf, desto kompakter, aber auch komplizierter, werden die Verwandtschaftsverhältnisse. Was sagt es über einer Familie aus, wenn sie innerhalb eines kleinen Städtchens in sieben Jahren fünfmal umzieht? Bei wem leiht man sich im 19. Jahrhundert Geld, wenn man mal welches braucht? Und was passiert, wenn ausgerechnet der Totengräber stirbt? Solche Fragen sind es, die mich dann umtreiben.

So interessant die Fotos von "Alt-Werther" auch sein mögen: Die Menschen, die dahinter steckten, interessieren mich immer noch mehr. Und Werther war mehr als einfach nur "Böckstiegel und seine Motive", wenn das manche Leute heute auch zu vergessen scheinen.

Veröffentlichung? 


Ich werde auch immer wieder gefragt, ob ich das Ganze nicht mal veröffentlichen wollte. Gute Frage. Die ehrliche Antwort lautet: Ich habe keine Ahnung. Wir Familienforscher tauschen uns ja sowieso untereinander aus, und da gibt man auch seine Informationen gerne weiter. Auch an Menschen, die sonst mit der Familienforschung relativ wenig am Hut haben. Ich habe teilweise sogar das Problem, dass ich bei den Anfragen nicht hinterher komme (es gibt ja auch noch ein Leben außerhalb von Kirchenbüchern und Zivilstandsregistern), und ich entschuldige mich auch bei allen, die noch auf eine Antwort von mir warten.

Im Grunde käme sowieso nur eine Veröffentlichung online oder auf Silberscheibe oder USB-Stick in Frage, denn die ausgedruckte Variante ist schwer und voluminös. Ich glaube nicht, dass jemand den Platz dafür opfern würde, der dadurch im Regal frei geworden ist, dass er sich in Zeiten von Wikipedia endlich mal dazu durchgerungen hat, den 26bändigen Brockhaus ins Altpapier zu geben.

Aber das ist Zukunftsmusik. Im Moment bin ich einfach noch nicht soweit, dass ich sagen würde: "Voilà. Da isses."

Wie gesagt, die Sache ist umfangreich.

Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde, aber ich mache es mir eben auch nicht ganz leicht.

Gut, die meisten Menschen in Werther waren ab dem 16. Jahrhundert evangelisch, aber trotzdem ist das kein Grund, nur die Protestanten zu erforschen - die jüdischen und katholischen Wertheraner haben genauso gut ein Recht, in "Werthers Gedächtnis" aufzutauchen, denn man hat ja schließlich zusammen in Werther gewohnt, auch wenn man vielleicht für den Gottesdienst unterschiedliche Lokalitäten aufsuchte. Und ich habe bis jetzt eben noch keine Sammlung gefunden, die diese religiösen Grenzen gesprengt hätte. Die meisten Forscher, die eine Ortsgeschichte aufarbeiten, konzentrieren sich auf eine bestimmte Gruppe, nicht aber auf den größeren Kontext, in dem diese ganzen Menschen standen. Vielleicht werden Kirchenbücher ausgewertet, vielleicht werden Auswanderer oder Kriegsteilnehmer erforscht. Aber eben nicht alles.

Ergo: Es gibt noch viel zu tun.

Sie können mir helfen! 


Nein, ich will Sie nicht vor den Karren spannen und Sie zwingen, Ihre Fußballabende tippend vor dem Fernseher zu verbringen. Wenn Sie aber Vorfahren aus Werther haben und/oder Fotos von Ihnen, dann würde ich mich freuen, etwas von Ihnen zu hören. Fotos kann man in Sekundenbruchteilen einscannen, und es ist immer schwierig, die "Abgängigen" wieder zu finden, also diejenigen, die aus Werther weggezogen sind und dann an einem ganz anderen Ort, sei es "im Waldeckschen", "im Paderbornischen" oder "in Amerika", wieder auftauchten.

Und es wäre wirklich schön, wenn noch mehr dieser "alten Wertheraner" wieder ein Gesicht bekommen könnten.

Hinterlassen Sie einfach einen Kommentar, ich melde mich! Danke.


Kommentare:

  1. Als ursprünglicher Arroder bin ich doch sehr an Werthers Genealogy interessiert, besonders an den Böckstiegels, meinen Nachbarn, wo ich 1949 geboren wurde. Ich habe von Hermann Böckstiegel (geb. ca. 1750 in Arrode) gehört, wohl einem Urahnen von PA Böckstiegel? Ich würde mich freuen, wenn ich in diesem Zusammenhang neue Erkenntnisse gewinnen könnte.
    Sie erreichen mich am besten unter: info@bauplanungmueller.de
    Viel Erfolg bei der Ahnenforschung und alles Gute!

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    1. Hallo Herr Müller, wenn ich das gerade richtig im Kopf habe, dann kam Böckstiegels Vater ursprünglich aus Jöllenbeck. Ich gucke mal, was ich finde!

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