Dienstag, 5. Februar 2013

Wie war das mit den Heuerlingen?

An diesem Samstag, also am 09.02.13, trifft sich die Osnabrücker OSFA-Gruppe wieder im Gasthof Kolpinghaus, Hindenburgstr. 8, 49124 Georgsmarienhütte..

Bernd Robben referiert zum Thema "Das Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland".

Wenn ich es eben schaffe, dann werde ich wohl auch da sein, denn das Thema interessiert mich. Klar, man weiß, was ein Heuerling ist (ich stamme ja auch von diversen Heuerlingen ab), aber wann macht man sich schon über die Einzelheiten Gedanken? Hier ist die Gelegenheit!

Samstag, 2. Februar 2013

Tyskerbarna - Deutschenkinder

Für alle diejenigen, die sich gewundert haben, dass ich in den beiden letzten Januarwochen so wenig habe von mir hören lassen: Ja, ich war tatsächlich im Urlaub...

... und zwar in Norwegen. Zuerst ging es mit der Fähre nach Oslo. Schon allein die morgendliche Fahrt durch den Oslofjord war herrlich!


Nach zwei Tagen in der norwegischen Hauptstadt ging es dann weiter gen Norden nach Geilo zum Vikingtreffet 2013. Für alle, die damit nichts anfangen können: Es handelt sich um ein Offroader-Treffen - Geländefahren im Schnee. Und die Runden auf dem zugefrorenen See am Dagali Flyplass sind last not least auch kein schlechtes Training für das Fahren auf Glatteis auch in heimischen Gefilden...

Ja, das ist die Genealogin am Steuer dieses niedlichen kleinen Vehikels.


Gut, dieser Trip als solcher hatte wenig mit Genealogie zu tun. Trotzdem hat er mich in einem Punkt nachdenklich werden lassen:  
Wie steht es eigentlich mit den deutsch-norwegischen Familienbeziehungen? 

Heute kommen wir Deutschen ja in Frieden, und zwar entweder, um uns dieses wirklich wunderschöne Land aus dem touristischen Blickwinkel anzugucken oder auch um dort zu arbeiten. Wir bekommen in den Medien ja auch oft das Bild von den glücklichen Skandinaviern mit ihren tollen Sozialsystemen und der offenen Gesellschaft vermittelt. Und inzwischen wird man als Deutscher auch nicht mehr schief angeguckt - es wurden uns jedenfalls keine rechten Arme entgegegengereckt. Alles in Allem kann ich einen Urlaub in Norwegen wirklich jedem empfehlen.

Die Beziehungen waren jedoch nicht immer so entspannt.

Vom April 1940 bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 war Norwegen von der deutschen Wehrmacht besetzt. Und wie immer, wenn ein Land das andere besetzt, so kommen sich auch die Menschen näher. Manchmal freiwillig, manchmal zwangsweise, manchmal auf einer Ebene, die sich nicht so einfach definieren lässt, sondern irgendwo dazwischen liegen dürfte.

Aus diesen deutsch-norwegischen Begegnungen und Beziehungen entstanden naturgemäß auch Kinder, und zwar nicht gerade wenige. Nach Schätzungen wurden in dieser Zeit bis zu 12.000 Kinder gezeugt, davon 8.000 im Rahmen des Lebensborn-Programms. Auch in Geilo wurde ein Lebensborn-Heim mit Betten für 60 Mütter und 20 Kindern betrieben. (Quelle: wikipedia).

Man kann sich also vorstellen, dass die Familienforschung damit vor gewisse tatsächliche Probleme gestellt wird. Die "Tyskerbarna" ("Deutschenkinder") und ihre Mütter (im Volksmund "Tykertoser" - also grob übersetzt "Deutschenflittchen" genannt) hatten es nun wirklich nicht leicht. Um noch einmal wikipedia zu zitieren:

"Nach dem Krieg wurden vor allem in Norwegen eine große Anzahl dieser Kinder misshandelt, sexuell missbraucht, psychiatrisiert und zwangsadoptiert, was nicht wenige in den Suizid getrieben hat. In Norwegen attestierte ein Oberarzt allen „Deutschkindern“ aus den Lebensbornheimen nach Ende der Okkupation kollektiv die Diagnose „schwachsinnig und abweichlerisches Verhalten“. Die Begründung: Frauen, die mit Deutschen fraternisiert hätten, seien im Allgemeinen „schwach begabte und asoziale Psychopathen, zum Teil hochgradig schwachsinnig“. Es sei davon auszugehen, dass ihre Kinder dies geerbt hätten. „Vater ist Deutscher“ genügte zur Einweisung. Teilweise waren sie auch medizinischen Versuchen mit LSD und anderen Rauschgiften ausgesetzt. Ihre Ausweispapiere wurden vernichtet, gefälscht oder bis 1986 als „Geheimmaterial“ zurückgehalten."

Man kann es sich heute schon fast nicht mehr vorstellen, oder? Das Bild, das wir heute von der norwegischen Gesellschaft haben, ist eben doch ein völlig anderes. Und das ist auch gut so.

Was bedeutet das nun für die Familienforscher? Nun, zum einen eine gewisse Ungewissheit auf beiden Seiten.

Es wird sicherlich auch heute noch in Deutschland einige Menschen geben, deren Väter im 2. Weltkrieg in Norwegen stationiert waren und damals Kinder gezeugt haben, ohne dass es die Familie zu Hause im Einzelnen - wenn überhaupt - erfahren hat. Es könnten also noch immer bislang unbekannte Halbgeschwister oder norwegische Cousins und Cousinen vorhanden sein.

Auch auf der norwegischen Seite dürfte die Familienforschung verkompliziert werden, zum einen, weil - wenn man wikipedia folgt - ein Teil der Ausweispapiere unbrauchbar gemacht bzw. vernichtet wurde. Gleichzeitig sind auch in Deutschland viele Akten aus dem 2. Weltkrieg durch die Bomben auf Berlin kurz vor Kriegsende unwiederbringlich vernichtet worden, so dass es schwierig sein dürfte, nachzuvollziehen, welcher "Hans Müller" oder "Fritz Schmidt" denn nun tatsächlich der biologische Vater gewesen ist. Hier sehe ich einen sinnvollen Einsatz für die DNA-Technologie, die vor einer Generation ja noch gar nicht zur Verfügung stand.

Und da soll noch jemand sagen, dass die forensische Genealogie keine Herausforderungen bietet?



Hollandgänger

Für alle diejenigen, die heute nachmittag (02.02.13) noch nichts vorhaben, aber Lust haben, ihren Kopf mit ein paar Informationen über die "Hollandgänger" zu füttern:

Um 14.00 Uhr referiert Magdalene Kottenbrink im Rahmen der OSFA-HF-Treffen zum Thema

"In Holzschuhen zu Fuß gen Holland"

Veranstaltungsort ist wie immer die Gaststätte Cassing, Bünder Str. 2, 32130 Enger.

Viel Spass!

Freitag, 18. Januar 2013

Draußen vor meinem Fenster...

...versuchen gerade zwei gestandene und erwachsene(?) Männer, herauszufinden, ob ihre Mini-Monster-Trucks auch im Schnee fahren können. Sie stehen dort bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mit ihren Fernsteuerungen und lenken ihre selbstgebauten Vehikel über die Schneehügel, die sich beim Schneeschippen angesammelt haben - und das schon seit geraumer Zeit.

Sollte mir ein bestimmter Jemand noch einmal sagen, dass Familienforscher im Grunde ja "einen an der Klatsche" hätten - Schatz, ich werde Dich an diesen Moment erinnern...

(Im Grunde hat er nicht unrecht - aber wir Forscher haben den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass wir in der Regel im Warmen und Trockenen sitzen...)

Samstag, 12. Januar 2013

Zwei in einem Sarg

Im evangelischen Kirchenbuch von Werther (Landgemeinde) habe ich den folgenden Sterbeeintrag aus dem Jahr 1756 gefunden:



Es ist der Eintrag über die Beerdigung meiner siebenfachen Urgroßmutter Catrine Elisabeth Dammann geb. Wegener; sie war im Mai 1685 als Tochter des Colon Hermann Wegener und seiner ersten Ehefrau Ilsabein Nedderschelp in Isingdorf 16 geboren worden. Am 23. November wurde sie, nachdem sie im Alter von 71 Jahren gestorben war (hier hat sich der schreibende Pastor um ein Jahr verrechnet), auf dem Wertheraner Kirchhof beerdigt.

Der letzte Satz am Eintrag ist aber der interessantere. Catrine Elisabeth wurde nämlich nicht alleine beerdigt:

"In ihrem Sarge ist auch Herman Henr. Habighorst todtgeb. Töchterl. mit beygesetzt."

Ganz ehrlich, in dem Moment, als ich diesen Satz zum ersten Mal gelesen habe, haben sich mir sämtliche Nackenhaare aufgestellt.

Gut, im Kirchspiel Werther des 18. Jahrhunderts war so ziemlich jeder mit jedem irgendwie verwandt. Das hat mich ja auch auf die Idee gebracht, mit "Werthers Gedächtnis" anzufangen. Nach meinem (momentanen) Kenntnisstand sind sie Dammanns/Wegeners und die Habighorsts aber nicht so eng miteinander verwandt gewesen, dass man das Mit-in-den-Sarg-Legen mit der verwandtschaftlichen Nähe hätte erklären können.

Letztlich dürfte es einfach die praktischste (und auch die kostengünstigste) Variante gewesen sein, wenn sie uns heute auch unvorstellbar erscheinen mag. Wahrscheinlich hatte es auch damit zu tun, dass der Tod im Leben unserer Vorfahren viel präsenter war als in unserem Leben heute und der Umgang mit dem Tod etwas Selbstverständliches hatte.

Für den Familienforscher bedeutet diese Praxis in "technischer" Hinsicht natürlich auch, dass man im Grunde sämtliche Sterbeeinträge genau durchsehen muss, wenn man nach der Beerdigung eines totgeborenen Kindes sucht. Das kleine Mädchen hatte nicht nur keinen eigenen Sarg, sondern auch keinen gesondertern Eintrag im Kirchenbuch. Ich habe noch nicht gegengecheckt, ob sie bei den Geburten verzeichnet ist. Wenn dieses nicht der Fall sein sollte, dann wäre der Beerdigungseintrag von Catrine Elisabeth (Wegener) Dammann der einzige bleibende Beweis darüber, dass dieses Kind jemals existiert hat.

Und vielleicht war es für die Hinterbliebenen ja auch ein kleiner Trost, dass ihre Angehörigen nicht allein in der kalten Novembererde liegen mussten. Wer weiß?




Donnerstag, 10. Januar 2013

Einschlingen, Zweischlingen, Dreischlingen...

Manchmal frage ich mich ja, weshalb ich die Tageszeitung überhaupt noch lese - Mundpropaganda und das Internet sind in einer Kleinstadt ja eigentlich die Mittel der Wahl, wenn man sich schnell informieren will. Und zwar in genau dieser Reihenfolge.

Ab und zu findet man in der Zeitung aber auch kleine nette Zusammenfassungen zu historischen Themen. Das Westfalen-Blatt druckt zur Zeit eine Serie über die "Schlingen", also die ehemaligen Zollstellen an der heutigen B68 zwischen Steinhagen und Bielefeld. Wenn man sich die Situation vor 150 Jahren anguckt, dann hat sich im Vergleich zu heute an der Ausgangssituation eigentlich gar nicht mal so ungeheuer viel verändert: Es stellt sich immer noch die Frage, wie man denn bitte schön den - notwendigen - Ausbau der Infrastruktur finanzieren soll.

Im Fall der Landstraße zwischen Halle und Bielefeld war die Lösung schnell gefunden: Man nahm einfach von den Reisenden Wegezoll, und zwar gleich alle paar Kilometer. Nur allzu logisch dürfte es sein, dass sich an den Schlagbäumen, die aufgestellt wurden, Gastwirtschaften ansiedelten - so konnte man im Zweifelsfall das Unangenehme durch etwas Angenehmes wieder ein wenig ausgleichen, wenn man auch durch beides etwas ärmer wurde.

Ich verzichte jetzt hier darauf, den kleinen Artikel im Wortlaut wiederzugeben. Auf der einen Seite habe ich heute keine Lust, mir über das Urheberrecht Gedanken zu machen, auf der anderen Seite sind mir schon beim ersten Lesen mehrere kleine sprachliche und geschichtliche Ungenauigkeiten aufgefallen, die ich ja nicht unbedingt noch weiter verbreiten muss. Andererseits muss man natürlich auch zugeben, dass man an die Berichterstattung in der Tageszeitung keinen allzu hohen Anspruch haben sollte, wenn es um die Aufarbeitung der Historie geht - bei einem Fachbuch wäre das anders.

Laut Westfalen-Blatt (ich kann leider hier im Moment keine andere Quelle angeben, weil auch das Westfalen-Blatt seinerseits auf sämtliche Quellenangaben verzichtet) wurde die Genehmigung einer Schlinge für einen Betrag zwischen 500 und 1200 Mark pro Jahr vergeben, wobei die Schlingenwirte für die Durchfahrt eines beladenen Vierspänners ungefähr 10 Pfennig berechnen durften. Ich frage mich ja, ob der Ausdruck "berappen" hier seinen Ursprung hat...

Übrigens, nicht auf alle Gefährte war Wegezoll zu entrichten: Mist- und Leichenwagen hatten freie Fahrt. Diese Gleichsetzung ist doch ziemlich erstaunlich...

Was ich ebenso erstaunlich finde ist die Tatsache, dass der Haller Kreistag erst im Jahr 1922 die Vergabe der Schling-Lizenzen aussetzte. Man denkt immer, dass der Wegezoll ein Relikt aus uralten Zeiten sei; wenn man sich aber vor Augen führt, dass (nur mal so als Besipiel) Helmut Schmidt zu dem Zeitpunkt gerade einmal drei Jahre alt war, dann wird einem klar, dass es gar nicht mal soooo lange her ist.

Zeit ist eben relativ. Für den Familienforscher umso mehr.

Mittwoch, 9. Januar 2013

AK Genealogie Steinhagen

Wir treffen uns wieder am

Samstag, dem 12. Januar 2013, 
um 14.00 Uhr, im Berghotel Quellental, 
Im Quellental 10, 33803 Steinhagen. 

Soweit ich weiß, ist für dieses Treffen kein konkretes Thema geplant, was uns aber wohl kaum davon abhalten wird, für uns passende Themen zu finden...!